Authentizität 

Eines vorweg... 

 

Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, keineswegs, und ich tue auch nicht so als ob.

Ein Engel bin ich auch nicht, Fehler habe ich genug.

Wie etliche andere auch, bin ich einfach "nur" auf dem Weg, meinem Weg, und dabei bewusster und aufgrund meiner Erweckung aus meiner bislang weitestgehend angepassten Lebensweise überzeugter als je zuvor. 

Ich habe einiges zu sagen zu dem was ich bislang in meinem Leben erfahren durfte. 

Und weil im Leben alles ein voneinander-Lernen sein sollte, bringe ich einen Teil meiner Erfahrungen einfach hier ein.

Vielleicht nutzt es dem einen oder anderen etwas und mir dadurch auch.

 

 

Und: Ja. Warum nenne ich meine Kunst und mich denn eigentlich Authent.ART ?

Fange ich mal damit an: 

Der Begriff "Authentizität" ist mittlerweile zum regelrecht gesellschaftlichen Haßwort mutiert, hauptsächlich deshalb, weil dieses Wort von seiner Bedeutung her bislang oft genug mißbraucht wurde, nicht zuletzt seitens der Werbebranche. Gerade deswegen will ich den Sinngehalt dieses Begriffs, so wie ich ihn verstehe und lebe, darstellen, um ihn wieder ins rechte Licht zu rücken, denn unsere profitgeile Gesellschaft fördert vieles was mit leistungsbezogenen, materiellen Werten zu tun hat, aber so gut wie keine ideellen, ethisch-moralischen Werte wie Authentizität.

Darum soll mich dieser Künstlername, der letztendlich soviel wie "authentische Kunst" bedeutet, jeden Tag daran erinnern, dass ich mir und meinen inneren Werten gegenüber treu verbunden bin (wenn auch nicht auf dogmatische Weise).

 

Mein Name "Authent.ART" ist daher bewusst und gezielt gewählt, auch wenn manch einem vielleicht übel wird, wenn er oder sie den Namen "Authent.ART" bzw. authentische Kunst liest bzw. hört :-) und er dadurch meiner Kunst keine Chance mehr gibt. 

 

 

Über die Bedeutung persönlicher Bedürfnisse und die Suche nach dem Sinn des Lebens. Ein lebenslanger Prozess.

 

Authentizität ist für mich ein regulativer, individueller Selbstwahrneh-mungs- und Handlungsprozess. 

Darunter verstehe ich die zunehmende Fähigkeit, sich selbst zu (er)kennen, unabhängig von Meinungen anderer zu denken, entsprechend zu handeln und fähig zur Selbstkritik zu sein.

 

Das Bedürfnis nach persönlicher Authentizität bzw. Echtheit, oder genauer - der Verbindung von Authentizität und Offenheit - spielt eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben, was sich in allem, was ich denke und tue, mitunter in meiner Malerei, beim Fotografieren und beim Schreiben äußert.  

 

Der Malprozess z.B. verläuft bei mir sehr intuitiv und direkt, angefangen von der Beschaffenheit und, wenn finanziell möglich, der Größe des Hintergrundes, über das Motiv, die Bildkomponenten, zur Farbwahl.

Ich diktiere mir seit langem generell nichts (mehr) vor und überlasse das allermeiste meiner Intuition, damit der Spaß- und Spannungsbogen erhalten bleibt. Das ist mir sehr wichtig. Ich würde mich furchtbar langweilen wenn ich nach einer Vorlage oder nach festem Konzept malen würde.  

Das hat zur Folge, dass ich immer sehr überrascht bin, wenn plötzlich beim Malen das Motiv so unvermittelt, so direkt, groß und klar aus der Leinwand hervortritt.

Nun ja, was ich damit sagen will, ist :

Meine Bilder und meine Fotografien leben von ihrer Authentizität und ihrem emotionalen Ausdruck, daher ergab sich die Namensgebung "Authent.ART" sozusagen von selbst :-) 

  

Warum ich das Thema Authentizität so wichtig finde? 

Authentizität ist ein ungeheuer interessantes Thema, weil es zum einen jeden betrifft und zum anderen darin sowohl für jeden einzelnen als auch für die Gemeinschaft eine große Entwicklungschance steckt.  

Im Folgenden werde ich näher darauf eingehen.

 

 

Ohne Verarschung lebt sich's besser. 

 

Ich bin davon überzeugt, dass wir erst dann in der Lage sind, uns selbst und unseren Mitmenschen die Chance auf ein gesundes inneren Wachstum zu geben, wenn wir daran arbeiten, unsere Scheuklappen abzunehmen, unsere soziokulturellen Fesseln zu lockern oder gar zu lösen und zu lernen, so offen und authentisch zu sein wie möglich.

 

Gerade in den letzten Jahren ist mir bewusst geworden, dass es sehr bedeutsam ist, möglichst offen und authentisch durchs Leben zu gehen, wenn man die Relevanz der eigenen ethisch-moralischen Verantwortung für das eigene Leben und für sein Umfeld erkannt hat und dafür bereit ist, die Risiken zu tragen und die großen Anstrengungen zu akzeptieren, die mit einem authentischen Leben einhergehen...

 

Was mir schwer fällt, ist z.B., zu akzeptieren, dass noch nicht einmal Freunde meinen Weg verstehen (noch nicht einmal mein Miet-Konzept hatte jemand verstanden, *seufz*), ganz zu schweigen von meiner Familie. Das fällt mir schwer :-(

 

Und diese Vorurteile, Diskussionen etc. vonseiten der meisten, diese Un- und Mißverständnisse ("Bist Du zu blöd, Deine Kunst zu verkaufen oder warum nimmst Du nichts ein ??")...

 

Das ist hart, gerade weil mein Kunst-, mein Miet-Konzept und mein soziales Projekt nicht nur mich selbst betreffen sondern uns alle, weil sie soziale Gerechtigkeit fördern sollen !

 

Von daher : Ja, es ist volle Kanne hart, authentisch zu leben, wenn man seine menschliche Komplexität leben will, aber es ist die Mühen definitiv wert !!!

Es lohnt sich wirklich, authentisch zu leben, denn das einzige, was wir dabei verlieren können, ist unsere soziale Maske, und das, was wir durch diesen Verlust gewinnen können, ist beachtlich und von unschätzbarem Wert, sowohl für uns selbst als auch für die Gesellschaft : 

Der bewusste Umgang mit Offenheit und Authentizität hält die Chance bereit, dem eigenen Leben im Rahmen eines weit umfassenderen Sinns, eine wachsende individuelle Bedeutung zu geben, die nicht nur für einen selbst sondern auch für eine nachhaltige, moralische und ethische Entwicklung der gesamten Gesellschaft nach liberalen Maßstäben relevant ist.

 

 

Im Zentrum des Wunsches nach Authentizität steht für mich die Frage nach dem Sinn des (eigenen) Lebens, die mit Individualität, persönlicher (Entscheidungs-)Freiheit, der Wahrnehmung und dem Ausleben eigener Bedürfnisse zusammenhängt.

 

Meiner Meinung nach sind die Sinnsuche und der Selbstfindungsprozess der Initiator für eine authentische Lebensweise.

 

Ganz konkret bedeutet das die intensive Auseinandersetzung mit sich selbst.

Was erwartet das Leben von Dir? Ist es der Wunsch Statussymbole anzuhäufen? Der Wunsch als Frau zumindest einmal im Leben im weißen Kleidchen zu heiraten um wenigstens an diesem einen Tag wie eine Prinzessin auszusehen (*grusel*)?

Willst Du eigentlich überhaupt einen Wirtschaftsjob machen obwohl Dir kommerzielle Gedanken nicht behagen, oder hast Du es Dir bloß schön geredet und erfüllst damit nur den Wunsch Deiner Eltern? 

 

Was bedeutet es...

... jahrelang in einem Job festzukleben, der Dich geistig unterfordert und körperlich überfordert (der Dir aber als Beamter viel Geld einbringt - mit dem Du ständig in Urlaube flüchten kannst - und damit einhergehend eine Alkoholsucht "gratis" dazu bekommst, weil Du Dich dafür entschieden hast, vor Problemen zu flüchten ?) ?

... jahrelang in einer kaputten Beziehung festzuhängen, die an Vorstellungen von Ehe und Familie gekoppelt ist, ja weil es die Gesellschaft so vorlebt ?

... Willst Du jemanden noch einen Freund nennen, der eigennützige Erwartungen an Dich hat, nur weil er Dir mal finanziell aus der Patsche geholfen hat ?

... Willst Du weiterhin der Mülleimer für die Sorgen Anderer sein und vielleicht noch am Besten Deine gesamte Lebensenergie in die psychosoziale Entwicklungshilfe von Muttersöhnchen stecken ? 

 

Was genau willst Du ? Was willst Du nicht (mehr) ?

 

Indem wir unreflektiert Dinge tun, die wir insgeheim, wenn überhaupt, nur halbherzig wollen, und sie nur deswegen ausführen weil wir es gewohnt sind, es andere von uns erwarten, es alle so machen und wir davor Angst haben, eine soziale Außenseiterrolle einzunehmen, schaden wir uns nicht nur selbst sondern auch allen anderen direkt und indirekt Beteiligten, indem wir unsere wahren Ressourcen nicht nutzen! Wir verkümmern als Kopien. Welch eine Verschwendung. 

 

Statt blind im Einheitsbrei herumzutauchen und womöglich das Leben Anderer zu führen, sollten wir uns tatsächlich überlegen, was die aus der intensiven Auseinandersetzung mit uns selbst abgeleiteten Konsequenzen für das eigene Denken und Handeln im sozialen Umfeld sind, in Form von persönlichen Werten als Richtschnur ?! Und wie wir damit einen kleinen positiven Beitrag für unsere Welt leisten können. Gerade unsere Konsumgesellschaft hat unsere Bereitschaftshaltung bitter nötig.

Und dafür sollte man sich Zeit nehmen, soviel Zeit wie es eben benötigt, egal wie andere darüber denken !

Das gilt sowohl fürs Private als auch fürs Berufliche. Niemals sollte man sich dabei unter Druck setzen (lassen).

 

Es ist alles eine Frage des Wollens und der individuellen Prioritätensetzung : 

Mangelnde Zeit für Sinnsuche ist eine Ausrede, jedenfalls dann, wenn man relativ gesund ist und einigermaßen gut situiert in einer westlichen Konsumgesellschaft lebt. 

 

 

Zwischen Ja und Nein, Hallo und Tschüß und lauter Werten.

 

Im Laufe der letzten Jahre durfte ich lernen, dass es auf diesem Weg der Selbstfindung insbesondere die Erfahrungen mit dem bewussten Auseinandersetzen des Annehmens und Loslassens von Situationen und Beziehungen und die daraus erwachsenen Lernerfahrungen sind, die das Leben so schön spannend, mitunter schmerzvoll machen und bis oben hin mit Sinn füllen. 

 

Jeder Mensch, der sich auf diese Haltung eingelassen hat, und der bewusst seine schmerzvollen Gefühle nicht beispielsweise mit Drogen regulieren bzw. verdrängen will, wird mir an dieser Stelle beipflichten.

 

Im Prinzip beginnt dieser Verlauf beim allerersten Atemzug, der letztendlich ein Annehmen des Lebens bedeutet, der eines Tages auf dem Sterbebett im letzten Atemzug endet, dem Loslassen des alten Lebens und dem Annehmen eines wiederum neuen Lebens, wenn man daran glauben mag.

 

Annehmen und Loslassen bedeutet aus meiner Sicht auch Abgrenzung nach innen und nach außen: ein ständiges Austarieren von Nähe und Distanz sich selbst und seinem Umfeld gegenüber, das immer wieder dazu führt, dass man ständig auf sich selbst zurückgeworfen wird.

Dieses ermöglicht einem letztlich, sich seiner bewusst zu werden, herauszubekommen, wer man eigentlich ist, was man will, was man nicht will und was man sich von seinem eigenen Leben verspricht.

Das lässt einen achtsamer werden im Umgang mit sich selbst und mit seiner Umwelt. 

Man wird aufmerksamer und offener, auch gegenüber den eigenen Unzulänglichkeiten und nicht nur gegenüber denen der Anderen. Damit wächst die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiteten.

Deshalb halte ich reflektive Selbstbezogenheit im Denken und Fühlen, die nicht im Ich verhaftet bleibt, für die wichtigste Basis einer friedvollen Beziehung mit der Umwelt. 

 

Durch die intensive Arbeit an uns selbst kristallisieren sich die Werte heraus, die für ein authentisches Leben elementar sind und uns für unser Leben eine individuelle Orientierung geben. 

Wir bekommen damit die Möglichkeit zu erkennen, dass wir eine ethisch-moralische Verpflichtung gegenüber der Schöpfung haben und dementsprechend unseren individuellen Anteil dazu beitragen sollten, etwas Positives in die Welt zu setzen.

Und damit meine ich jetzt nicht unbedingt Kinder.    

 

 

Ich stehe zu mir und meinen Werten !

 

Der regulative Umgang mit Annehmen und Loslassen, Nähe und Distanz, gibt uns die Chance, uns zu erkennen, mit all unseren schönen und hässlichen Eigenarten. Da wir nun unsere Schwächen erkennen können, sind wir in der glücklichen Lage sie zu verändern... wenn wir wollen.

Indem wir uns annehmen können, mit unseren Stärken und mit all unseren Unzulänglichkeiten, stehen wir zu uns und sind bereit uns zu respektieren, wertzuschätzen und zu lieben.

Wir werden innerlich zunehmend frei.

Auf diese Weise können wir offen für unser Gegenüber werden und ihm die Wertschätzung und den Respekt entgegenbringen den er verdient... wenn wir wollen :-).

 

Nur über eine gesunde Selbstliebe ist es möglich, andere Menschen zwar nicht immer zu lieben, auch nicht immer zu mögen - den Anspruch habe ich nicht- aber wenigstens zu versuchen den einen oder anderen zu verstehen, zu respektieren und somit seinen Anteil an einem einigermaßen friedvollen Miteinander in seinem Umfeld beizutragen.

Ich bemühe mich zumindest.

Jede bewusst gemachte Begegnung mit einem Menschen bringt jeden Beteiligten in seiner persönlichen Entwicklung weiter.

Schon allein deshalb sollte man sich gegenseitig mit Wertschätzung und Respekt begegnen.

Wenn möglich.

An welcher Stelle exakt allerdings ein wertschätzender und respektvoller Umgang aufhört... Darüber bin ich mir noch nicht so ganz im Klaren und bin weiter am Erfahrung sammeln.

 

Fest steht für mich jedenfalls: Ich mag nicht jeden Menschen, muss auch nicht jeden Menschen mögen und lege auch keinen Wert darauf von jedermann gemocht zu werden. 

 

 

Lass' uns mal offen reden. 

 

Das ist alles nicht so ganz einfach?!

Denn letztlich muss Authentizität nicht nur gedacht sondern auch gefühlt, gelebt und offen kommuniziert werden, und jeder weiß, dass Kommunikation zwar ein höchst interessanter, jedoch sehr schwieriger und komplexer Bereich ist. 

Gerade eine offene und gewaltfreie Kommunikation erfordert Mut und die Bereitschaft, sich gegebenenfalls ein Stück weit zurückzunehmen was die Art und Weise des Auslebens eigener Interessen betrifft.

Eine echte Herausforderung :-)

 

Aber es führt Gott sei Dank kein Weg an unseren Mitmenschen vorbei wenn wir uns weiterentwickeln wollen : Indem wir uns selbst in ihnen zu erkennen vermögen, haben wir überhaupt erst die Möglichkeit zu uns selbst zu kommen, können wir gesunden.

Oder, mit Martin Buber: "Erst am Du wird der Mensch zum Ich."

 

 

Dass das alles nicht so ganz einfach ist, weiß ich selbst.

Jeden Tag wird mir das bewusst. Es ist zu Beginn ein durchaus steiniger Weg, wenn man beschlossen hat ihn zu gehen.

Gerade wenn man erkennt, dass man selbst zu der Generation der Kriegsenkel gehört, die in einer traumatisierten Familie aufgewachsen ist, in der über viele gravierende Geschehnisse in der Vergangenheit geschwiegen wurde, und die Kommunikation und der Umgang mit Emotionalität daher bis heute meist schwierig verlief, bis heute.

Und man verliert dabei einige alte Freunde, was aber völlig okay ist, denn es passt dann einfach nicht (mehr).

Darüber bin ich mir im Klaren geworden, und ich stehe damit auch nicht mehr am Anfang.

Der Beginn war schon recht gruselig, dafür aber sehr, sehr befreiend und wohltuend :-)

  

 

Erfahrung sei Dank !

 

Bestimmte folgenreiche Erfahrungen mit dem staatlichen Erziehungs- und Bildungssystem, wie ich sie im nächsten Kapitel beschreiben werde, und die bewusste Aufarbeitung dessen und anderer persönlicher Bereiche, waren ein bedeutsamer Grund, aus dem heraus ich und andere auf diesen wunderbaren, äußerst interessanten und wertvollen Weg gebracht wurden. 

Deshalb bin ich für diese teils sehr schmerzvollen Erfahrungen und den Personen, die mich dabei unterstützt haben, echt dankbar. Und ebenfalls meinen mir anvertrauten Tieren, von denen ich viel gelernt habe bzw. mein Leben lang lernen werde.

Ja, vom tierischen Sozialverhalten können wir uns sehr viel abschauen !

 

Ich wurde letztens von meinem Zahnarzt gefragt, der sehr begeistert war, als er mitbekam, dass ich künstlerisch aktiv bin ("na endlich mal was anständiges!") ob ich es nicht bedauern würde, dass ich nicht bereits als Twen auf meinen jetzigen, "richtigen" Weg gestoßen sei.

Ehrlich gesagt: Es musste alles genauso laufen wie es gelaufen ist, alle Situationen waren Etappen auf meinem individuellen Weg ins Heute. 

Alle Schritte auf meinem Weg machen rückblickend enormen Sinn.

 

Wie auch immer. Vor zehn Jahren wäre ich längst nicht soweit gewesen. Ich war zwar schon immer reflektiert und selbstkonfrontativ, aber innerlich nicht reif für eine Entwicklung, die bereit ist, revolutionsartig alles bisherig Erfahrene komplett zu hinterfragen und auch infrage zu stellen.

Dahingehend bin ich ein echter Spätzünder.

Naja, was soll's.