Kreativität

Kreativität ist auf Ganzheitlichkeit ausgerichtet.

 

Wir Menschen sind so verdammt komplex, und jeder von uns ist mehr als die Summe seiner Teile.

Wir sind intelligente, analytische, reflektierende, fühlende, intuitive Wesen und noch mehr.

     

Vor diesem Hintergrund ist es aus meiner Sicht nur allzu folgerichtig, Kunst bzw. Kreativität unter diesem komplexen, ganzheitlichen Aspekt zu betrachten. 

 

 

Auf dem Weg sein. Lernen, der inneren Stimme zu vertrauen und loszu-lassen. 

 

Kreativität ist ein Ergebnis persönlicher Befreiungsprozesse. 

Indem diese das Individuum von gesellschaftlichen Anpassungsmechanismen wegführen und es dazu befähigen, die Regeln und Normen zu hinterfragen und sich auf seinen Ursprung zu besinnen, ermöglichen sie ihm, dass es sich von äußeren Umständen löst und frei wird für ein selbstbestimmtes Leben in eigener Regie.

 

Niemals zuvor dachte ich, dass dies möglich sei, zumal doch der Mensch, das soziale Wesen, in erheblichem Maße von der Gesellschaft abhängig ist.

Ja, mir wurde zunehmend bewusst, dass das eine das andere nicht automatisch ausschließt.

 

Es ist sehr wohl möglich, ein Leben zu wählen, das sich irgendwo zwischen Aussteigerdasein und sozialer Integrität befindet.

Das passende Maß muss man allerdings erst für sich selbst herausfinden, das Tempo seiner eigenen Befreiung ebenfalls.

Dabei spielt eine bestimmte Dimension von Kreativität eine ganz entscheidende Rolle: 

Die Dimension der Spiritualität.  

 

 

Die Dimension der Spiritualität.   

 

Diese zeigt sich für mich darin, dass sie dem Individuum die bewusste Entscheidung abverlangt, einen Sprung ins Ungewisse zu wagen, denn der innere Wunsch oder Drang, kreativ sein zu wollen, ist eine innere Haltung und impliziert eine klare Entscheidung, einen neuen Weg beschreiten zu wollen, der frei ist von Bewertungen, Restriktionen und bekannten Vorstellungsmustern, denen man sich womöglich bislang untergeordnet hat, und die einem eine lange Zeit auch Sicherheit gespendet haben.

Eine trügerische Sicherheit zum Preis der Anpassung bis hin zur Selbstaufgabe. 

 

Durch diese Neubeschreitung kann bisher belegter Speicherplatz frei werden; ein neuer Frei- und Spielraum für innere bislang nicht oder kaum wahrgenommene Ressourcen und neue Erfahrungen wie das Aufspüren unentdeckter Talente, Gefühle, Intuition, Spontanität und Energie. 

Dieser Prozess vermag viel Energie freizusetzen. 

Und Eines spürt man dabei ganz genau: das Gefühl, auf seinem "richtigen" Weg zu sein und in gewisser Weise zu seinem Ursprung zurückzukehren.

 

Es ist ein Gefühl von zunehmender innerer Freiheit und innerer Stärke, das man schrittweise erlangt, und das mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen ist.

 

Auf diesem Weg ins Ungewisse fühlt sich alles richtig an, der Weg, die Richtung, die jeweiligen Geschehnisse. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass ich durch Nebel wate und ab und an ins Straucheln komme weil mir meine Gedanken wieder einmal einen Streich gespielt haben oder ich mich durch äußere Geschehnisse und alte Anpassungsmuster habe ablenken lassen.

"It feels good to be lost in the right direction" lautet ein bekanntes Zitat. Ja, es stimmt. 

Diese sichere innere Gewissheit und das Vertrauen darauf, dass alles was passiert, seinen eigenen Sinn hat, weist einem intuitiv den richtigen Weg.

 

Wer dieses Gefühl kennt, weiß, dass es ein wunderbares Gefühl ist.  

Daher möchte ich jedem Mut machen, sich (weiter) auszuprobieren, denn wirklich kreativ sein kann jeder, auf seine ganz eigene individuelle Weise. 

Allerdings nur unter folgender Voraussetzung:

Man ist bereit, der Realität ins Auge zu schauen und den Anblick der unzähligen Wunden zu ertragen, der sich einem infolgedessen offenbart.

Seien es die eigenen Fehler, die Lücken im Gesellschaftssystem. Kriegstraumen, die sich über Generationen hinweg auswirken.

Es kostet Überwindung, Mut und Durchhaltevermögen... und sehr viele Tränen. 

 

Wenn man dann allerdings die Kreativität für sich (wieder)entdeckt und lieben gelernt hat, wird einem klar, dass man sie wie die Luft zum Atmen braucht.

Erst durch sie fühle ich mich zunehmend frei, vollständig und richtig in der Welt, indem sie mich dazu gebracht hat, die Prioritäten in meinem Leben sinnvoll zu ordnen.    

 

 

Kreativität mit Nebenwirkungen.

 

Wie bereits angedeutet, kann Kreativität jeden dazu befähigen, sich und seine Umwelt richtig zu verstehen, indem sie einen dazu bewegt, Sinnzusammenhänge zu erschließen und sie einem sehr klar und ungeschönt vor Augen zu führen. 

 

Für mich trägt der kreative (Mal-)prozess unweigerlich die lebenslange Sinnsuche und Selbstfindung in sich, die aufgrund dieses teilweise widerstrebenden und Spannung erzeugenden Zusammenspiels innerer Prozesse nicht nur Glücksmomente sondern auch mit durchaus schmerzvollen persönlichen Befreiungsprozessen als nicht immer erwünschten und herbeigesehnten Nebenwirkungen einhergehen.

 

Befreiung von gesellschaftspolitischer Fremdbestimmung und sozialen Anpassungsprozessen, Abhängigkeiten und jeglicher Art von Konformitäts- und Erwartungsdruck, die in der seelischen Verarbeitung und als Abstraktion und Sublimierung beispielsweise in meinen großflächigen Werken als emotionale Bestandsaufnahmen zum Ausdruck kommt. 

 

Von daher haben meine Malerei, mein Schreiben und mein Fotografieren für mich nichts, aber auch rein gar nichts mit Hobby zu tun, denn es ist so unendlich mehr als das: Es ist meine Sicht der Dinge, meine innere Haltung, die Art und Weise mich auszudrücken. Alles.

Sie ist mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen.

Meine Kreativität schenkt mir Energie. Sie macht mich frei.

Und sie ist mein Leben. 

 

Das Zitat des Künstlers Joseph Beuys trifft den Nagel auf den Kopf, was das Thema Freiheit betrifft: "Wer nur in seiner Freizeit frei ist, ist in seiner Arbeit ein Gefangener. Wenn Arbeit nicht als Bestandteil des Lebens gesehen wird, ist Kreativität in Gefahr. (...)". 

Ähnliches sagte auch ein sehr guter Therapeut.

Das habe ich verstanden, auch wenn es ein langer, zäher Prozess war.

 

Ich habe erkannt: Ich bin nur dann frei wenn ich aus mir heraus etwas kreieren kann, dort wo ich Sinnhaftigkeit erkenne und keinen gravierenden Anpassungsmechanismen unterliege, die mich in meiner Kreativität hemmen, und nur dort. 

 

 

So.

Vermutlich sind Dir während des Lesens Gedanken aufgekommen wie: Mann, ist die komplex. Und überheblich. Was die sich und ihre Kreativität so wichtig nimmt..?!

 

Richtig: Ich bin komplex, vermutlich auch überheblich, und ich bin wichtig, wie jedes andere Lebewesen auch, und alles, was ich sage, denke und tue, gesagt, gedacht und getan habe und noch sagen, denken und tun werde.

Ich bin sogar in gewisser Hinsicht recht egoistisch und selbstbezogen: 

"Gesunden Egoismus" nennt man es, wenn man (mittlerweile) zunehmend weiß wer man ist, wohin man will, was man will und was man nicht (mehr) will.

Wenn man sich selbst wertschätzt und lieben kann. Erst dann kann man seine Kunstwerke wirklich lieben, kann man erst andere Menschen lieben oder zumindest respektieren. 

Und deswegen habe ich mir die Mühe mit meiner Webseite gemacht.

Für mich, und auch für alle, die sich für das Thema Selbstfindung in Verbindung mit Kreativität und Kunst interessieren :-).