Kunstverständnis

Selbstkonfrontative, authentische Kunst

Mein Selbstfindungsprozess ist mit meinem künstlerischen Prozess identisch bzw. läuft mit ihm synchron.

Aber was genau bedeutet das? Und was macht eine kreative Gestaltung zu Kunst? 

 

Klar, das Verständnis von Kunst ist eine sehr persönliche Auffassung, die von der Komplexität der inneren und äußeren Faktoren jedes einzelnen Individuums abhängt.

 

Kunst, wie ich sie als solche wahrnehme und schätze, und wie ich sie selbst lebe und liebe, ist ehrlich, nicht manipulativ wie Werbung, kritisch, emotional und geistig fordernd, sprich komplex, in erster Linie selbstkonfrontativ und gegenüber allen Emotionen völlig offen, und hat idealerweise Selbstwerdung zum immanenten Ziel, und natürlich den Austausch mit der jeweiligen Umwelt, der idealerweise auf einer wertschätzenden, respektvollen menschlichen und nicht-profitorientierten Ebene eines inspirierenden Dialogs stattfindet.  

 

Ihr Prozess gestaltet sich als eine permanente, lebenslange Sinnsuche und Selbstfindung, der zugleich Weg und Ziel ist.

 

Bei der kreativen, ernsthaft gelebten, künstlerischen Gestaltung liegt der Fokus auf dem malerischen Prozess und nicht auf einem zu veräußernden Endprodukt. 

Selbstkonfrontative, expressive, authentische Kunst, so wie ich sie verstehe, fragt in erster Linie nicht nach den Vorlieben des Betrachters und untersteht keinem Zwang, gefallen zu müssen.

Der Künstler malt in erster Linie allein für sich selbst, in direkt zweiter Linie, um Menschen etwas mitzuteilen, im Sinne eines Dialogs, eines wechselseitigen, wertschätzenden Austauschs.

Seine Leidenschaft fürs Malen und Gestalten, sein Drang sowohl nach Wahrheit als auch nach Sinnhaftigkeit sind seine größten Antriebsfedern.

Er ist was er malt.

Er kann gar nicht anders.

Es gibt für ihn dementsprechend keine Trennung zwischen sich als Subjekt und seinem Werk als Objekt.

  

Kunst ist mehr als bloßer Selbstzweck

Sie ist idealerweise ganzheitlich ausgerichtet, entsprechend der Komplexität des menschlichen Wesens, und macht die Welt, ihre Bestandteile und die Beziehungen unter ihnen klar erkennbar, im gleichen Maße wie sie es versteht, den übergeordneten Zusammenhang des großen Ganzen aufzuzeigen.

Das impliziert, dass sie nicht nur das Schöne und Angenehme zeigen sondern vor allem auch aufklären will. (Ich weiß, der heutige Kunstmarkt sieht das anders.)

Dabei zeigt sie sich offen für alle Eindrücke, die die Welt vermittelt. Weiterhin Sensibilität, Leidenschaft, Phantasie, Mut, Intuition, Einfühlungs- und Reflektionsvermögen, um das "Teilbewusste" oder Vorbewusste dem Gefühl begreifbar zu machen. 

 

Es gehört auch eine gehörige Portion Masochismus dazu. Denn ich weiß, dass ich, indem ich bewusst tief in meinen Wunden bohre, jedes Mal auf sehr Interessantes stoße, was ich bei dessen Verarbeitung auf intuitive Weise kreativ umsetzen kann.    

Meine Kunst thematisiert innere und äußere Konflikte, die sie nach außen hin kommuniziert.

In diesem Kontext fällt mir etwas wichtiges dazu ein :

Eine bewusste, konstruktive Auseinandersetzung mit sich selbst (in welcher Weise und Ausprägung auch immer) ist im Prinzip Inhalt jedes einzelnen Menschenleben - beim Einen kommt sie früher, beim Anderen später kurz vorm Tod - und schließt somit eine pathologische Sichtweise von Kunst als eine Form von Selbst-"Therapie" aus, auch wenn der ein oder andere Künstler einen recht schwierigen Lebensweg hat (z.B. Kriegstraumata in der Familie wie bei mir). 

Aber jeder hat seine Probleme. Es gibt keinen Lebenslauf ohne Hindernisse, wenngleich manche Barrieren zugegebenermaßen schon sehr hoch sind...

 

Ansonsten müsste es ja so sein, dass alle authentisch, selbstkonfrontativ Kunstschaffenden, alle Sinnsuchenden, zwangsläufig seelisch krank sind?! Das sind sie jedenfalls nicht zwangsläufig.

 

Zumindest aber habe ich beobachtet, dass Phänomene wie Melancholie, Depressionen, Neurosen, psychosomatische Aspekte, Abhängigkeiten in unterschiedlichen Bereichen und Ausprägungen recht oft auftreten, weil selbstkonfrontative (!) Künstler aufgrund ihrer hohen Sensibilität und Leidensfähigkeit tiefgründig denken, fühlen und dadurch verstärkt in der Lage sind, den traurigen Verlauf der Menschheitsgeschichte genau zu registrieren und sehr tief zu spüren, was natürlich während der künstlerischen Verarbeitung nicht wirklich mit Glücksgefühlen einhergeht. Das dürfte jedem (empathischen) Leser klar sein...

 

Als Künstler notwendigerweise psychisch krank? Also ein klares Nein.

Ich füge ein bekanntes Zitat von Jiddu Krishnamurti ein, das für sich selbst spricht und daher keiner Erläuterung bedarf...

 

"Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein."

 

Ähnliches sagte Erich Fromm. Genauso sieht's aus...

 

Wirklich kreative, expressive und selbstkonfrontative Kunst ist mutig, weil sich der Künstler bewusst mit seinen eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert und sie der öffentlichen Kritik aussetzt, gesellschaftliche Probleme transparent macht und dadurch positiv auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse Einfluss nimmt.

Weiterhin ist diese Kunst insofern mutig, als dass dem betreffenden Künstler bewusst ist, dass er im Malprozess den sich ergebenden, neuen Inspirationen gegenüber offen bleiben sollte, um sich und auch dem Betrachter gegenüber möglichst wahrhaftig / authentisch sein zu können. Er muss es ertragen können, dass sich dadurch Änderungen seines soeben angefangenen Werkes ergeben.

Das bedeutet auch, dass er in der Lage sein muss, die teilweise krassen emotionalen Umstürze und Umbrüche, die während des kreativen Prozesses geschehen, aus eigener Kraft auszuhalten, sonst geht er daran zugrunde, und er muss bereit sein, allein sein zu wollen, wenn nötig einige Wochen lang, ohne viele Außenkontakte, um sich auf sich und sein Gefühlsleben zu konzentrieren, Eindrücke zu sammeln, zu verarbeiten und letztlich ausdrücken zu können.

 

Meiner Meinung nach verbauen künstlich herbeigeführte Höhenflüge durch künstliche Stimulanzien den Zugang zu den eigenen, mitunter sehr dunkel gefärbten Emotionen, die man effektiv für kreative Prozesse nutzen kann. Deswegen verzichte ich dabei auf sie, von musikalischer Begleitung beim Malen einmal abgesehen. 

 

Die Herstellung eines kreativen Kunstwerkes entspringt dem existenziellen Bedürfnis des Künstlers, die Welt in allen Details verstehen zu wollen und die Eindrücke der Welt in einen bildnerischen Ausdruck zu transformieren. 

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Künstler Autodidakt ist oder ehemals an einer Kunstakademie studiert hat.

Es ist in erster Linie die Künstlerseele und ihre individuelle Beschaffenheit, die den Künstler ausmacht, dessen Profil natürlich mit handwerklichen Fertigkeiten und fundiertem Fachwissen aufgebaut werden muss. Das ist ganz klar. (Dass er als Nicht-Autodidakt mit -zig Kontakten in der Kunstszene, die er im Rahmen seines Studiums an die Hand bekommen hat, auf dem heutigen kommerziellen Kunstmarkt die besseren Karten hat, ist wiederum eine andere Geschichte.)

Mir gefällt dieses System ohnehin nicht.

Und inwieweit Verschulung durch Kunstakademien und bestimmte Unterrichtsformen wie die typischen Standardmalkurse dabei wirklich helfen können, ein individuelles künstlerisches Profil zu fördern, sei mal dahingestellt. 

 

 

Fazit:

 

Das, was Kunst letztlich ist, kann sehr unterschiedlich wahrgenommen und bewertet werden, entsprechend der Komplexität jedes einzelnen Individuums und seiner gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (und ähnlich verhält es sich mit dem heiß diskutierten, von vielen Menschen gehassten Authentizitätsbegriff).

So unterschiedlich sich Kunst darstellt, so vieldeutig und komplex ist entsprechend auch ihr Wesen, wenn man sie denn gesellschaftlich gesehen zulässt. Die kommerziellen Ketten unserer profitorientierten Gesellschaft verhindern jedenfalls in starkem Maße, wahre Kunst hervorzubringen und am Leben zu erhalten.

  

Aufgrund ihrer Vielschichtigkeit und ihrer gesamtgesellschaftlichen und kulturellen Relevanz ist es daher aus meiner Sicht gerade im Kunstbereich wichtig, dass Kunst nicht zur Dienstleistung degradiert und kommerziell ausgebeutet wird. Denn genau darin zeigt sich, dass die Bedeutung ernsthafter, kreativer Kunst meiner Meinung nach schlichtweg verkannt wird.

 

Kunst... für immer und ewig ein spezielles Kapitel. Und extrem spannend !

Schöner Schein ist Deko und keine Kunst (logisch... oder ??)

Jetzt werden sich einige Leser aus dem kreativen Bereich angepisst fühlen...

Darauf kommt's jetzt auch nicht mehr an :-)

 

Aus meiner Sicht ist Kunst kreativ, also originell und ideenreich und hat außerdem eine (klare) Aussage.  

Malerei zum Zwecke bloßer Dekoration ist demnach für mich keine Kunst sondern dekorative Gestaltung, die durchaus sehr kreativ sein kann.  

1:1 kopierte bzw. imitierte Kunst (außer zu Lernzwecken für die eigenen vier Wände), ohne das Erkennen eines eigenen Stils und eigener, neuer Ideen, ist total peinlich und keine echte Kunst.

 

Das Bestreben, Fotografien möglichst exakt und realistisch abmalen zu wollen, verbinde ich ebenfalls nicht mit wahrer Kunst, weil Kunst für mich, wie bereits benannt, kreativ und innovativ sein muss, und ein (sehr) gutes Handwerk noch lange keinen (authentischen) Künstler daraus macht. 

Und ich wage zu behaupten, dass jeder halbwegs gesunde Mensch, ob talentiert oder nicht, in der Lage ist, Bilder oder Fotografien optimal kopieren zu können, je nachdem wie lange und intensiv er bestimmte Techniken eingeübt hat.  

 

Echte Kunst ist außerdem von Natur aus, vor allem in ethisch- moralischer Hinsicht, glaubwürdig !

Ich kann gar nicht sagen wie traurig und beschämend ich es finde, wenn Künstler ihre Werke (wie vorletztes Jahr in einer renommierten Kunsthalle zum gesellschaftskritischen Thema "Biotope, Nachhaltigkeit, Ökologie, etc.") ihre Werke ausstellen und sie ihr Konzept bereits im Vorfeld ad absurdum führen :

 

Die Konsumgesellschaft und den Kapitalismus als treibende Kraft des gesellschaftlichen Problems von Nachhaltigkeit deutete diese europäische Künstlergruppe in der Vorankündigung zwar zumindest an, tja, aber dann gab es da ja noch die "klitzekleine" Tatsache, dass die städtische Bank zum Hauptsponsor der Ausstellung ausgewählt wurde !

 

Wie krass ist das denn ?!

 

Wie passt das alles zusammen ?!? In unserer Gesellschaft zumindest offensichtlich super :-(

Denn leider scheinen die meisten Kuratoren und Besucher auf solche Dinge wie Glaubwürdigkeit nicht zu achten, weil das offenbar längst out ist im Kunstbusiness. "Money sells" beherrscht ja mittlerweile alle gesellschaftlichen Bereiche, auch unser Privatleben. Leider, aber muss sich Kunst deswegen auch prostituieren lassen, nur, weil der Kunstmarkt auf schönem Schein, Profit, Konsum, Kommerz, Macht und Einfluß beruht?? :-(

Verdammt. Mich macht das Ganze gerade wieder unsagbar wütend, vor allem die Tatsache, dass der eigentliche Sinn von Kunst auf diese Art und Weise dermaßen mit Füßen getreten wird, sogar von Künstlern selbst, das widert mich total an !