Lebenswege

Von Metronomen und Anpassungsprozessen oder wie ein Leben als Kopie aussieht.  

 

Als Kind begann ich, wie wohl viele andere Kinder auch, mich mit dem Sinn des Lebens zu beschäftigen. 

Meine Sinnsuche begann recht früh, mit zehn Jahren, wurde immer intensiver, begleitete mich jeden Tag und hörte seitdem nie wieder auf.

Er wurde eingeleitet durch den familiären Umzug vom ländlichen Niedersachsen ins städtische Rhein-Main-Gebiet, der für mich ein regelrechter Kulturschock war. 

Ich zog mich in meine Phantasiewelt zurück und fand im Lesen und Schreiben von kritischen und eher melancholischen Gedichten und Geschichten mein erstes, sehr wichtiges Ventil.  

 

Situationen konnte ich immer schnell und gut einschätzen. Dementsprechend verstand ich mich darauf, mich unliebsamen Gegebenheiten nach Bedarf zu entziehen, je nach Situation eben aktiv oder passiv, z.B. gegenüber einigen Lehrern, die ihren Unterricht allzu praxisfern, langweilig und lieblos aufgezogen hatten, weil sie mit ihrer Lehrtätigkeit überfordert waren.

Oder weil sie es eben leider nicht besser gewusst hatten wie man Kinder zum Lernen motiviert.   

 

Paradebeispiel war einer meiner Klavierlehrer, der mir als Fünfjährige dank des penetranten Einsatzes seines Metronoms und der von ihm empfohlenen Notenbuchserie "Der junge Pianist I - III" alle Freude am Klavierspielen vergällte.

Etliche Male kamen in seinem Unterricht Scherzartikel zum Einsatz, die ich mir von meiner Schwester borgte, um mich vor den Schlägen des mir verhassten Metronoms zu retten, was auch immer wieder Erfolg hatte, bis sie durch Überbeanspruchung eines Tages das Zeitliche gesegnet hatten, und ich mich wieder furchtbar zu langweilen begann.

 

Auch hatte ich damals den Eindruck, dass sich umgekehrt das Klavier, welches schrecklicherweise später mit einer kackbraunen Klebefolie versehen wurde (was meine Spielfreude zusätzlich hemmte), doch entsetzlich mit meinem Lehrer und mit mir langweilen musste.

Wie auch immer: Heimlich ließ ich meinen Wellensittich an den Seiten des jungen Pianisten I knabbern, bis einige Noten regelrecht abgefressen und nicht mehr erkennbar waren, und ich mir daraufhin ein anderes, etwas interessanteres Notenbuch aussuchen durfte.

Immerhin.

Abgesehen davon, dass es nicht sehr nett von mir war, die Schuld dem armen Vogel in die Schuhe zu schieben:

Meine Idee war nicht schlecht :-).  

 

Ja. Wer, bitte schön, hat solche einprägsamen Erfahrungen als Kind nicht gemacht?! 

Und: Was waren wir als Kinder doch kreativ!

Exakt hier sind wir beim springenden Punkt, der mir auf der Seele brennt weil er sich seit Jahrzehnten durch das Leben vieler Heranwachsender zieht wie ein wucherndes Krebsgeschwür.

 

Nein, ich will meinen Klavierlehrer und niemanden persönlich verurteilen, weil es mir nicht zusteht über andere zu richten, denn schließlich ist niemand perfekt, und ich schon mal gar nicht.

Darum geht es hier auch überhaupt nicht.

Es geht ums Gesamtpaket, um Anpassungsprozesse, um unser Gesellschaftssystem, die Löcher darin, wie man einige von ihnen stopfen kann, und warum man am besten bei seinen eigenen Löchern beginnt. 

 

 

Die Löcher im System

 

Tragisch ist die Tatsache, dass wir alle als Kinder irgendwann einmal sehr kreativ gewesen sind bevor sich unsere Kreativität durch Anpassungsprozesse an gesellschaftliche Systeme, angefangen beim staatlichen Bildungs- und Erziehungssystem, Jahr für Jahr drastisch reduziert hat.

Bis heute sind da leider kaum Veränderungen zu verzeichnen. 

Mittlerweile gibt es etliche Berichte dazu, sowohl Erfahrungs- als auch interessante Forschungsberichte wie die des Kreativitätsforschers Ken Robinson. 

 

Fest steht, dass diese Art genormter Verschulung, wie meine damaligen Mitschüler und ich sie in den 80ern leider selbst als Kind erleben durften, und wie sie noch heute weitestgehend zu finden ist, bei etlichen Aufwachsenden eine Abwärtsspirale vergeblicher Anpassungsversuche in Gang setzt. 

 

Diese sind deswegen oftmals so tragisch, in erhöhtem Maße für sehr sensible bzw. hochsensible, zudem introvertierte Kinder und kreativ ausgerichtete Heranwachsende wie ich es eben war, weil sie von früh an den inneren Drang haben, ihre Kreativität ausleben zu müssen und kritischer gegenüber vorgefertigten Wissensinhalten sind.

Denn es entspricht ihrer Natur und kann in einem hemmenden Lernumfeld, das dem entgegensteht, oftmals nicht, nur unzureichend oder nur unter erschwerten Bedingungen gelingen, gerade in einer Gesellschaft, die zunehmend auf Extrovertiertheit und Egozentrik ausgerichtet ist, wie unsere unsere gegenwärtige.

 

Insbesondere bei sehr sensiblen und introvertierten Menschen passiert es infolge dieser Anpassungsbemühungen, die ein jeder in irgendeiner Form in der Pubertät erlebt, nicht selten, dass, wenn sie in ihrer kreativen Entwicklung gehemmt werden, sie immer mehr den Zugang zu sich selbst verlieren. Ungünstige Systembedingungen wie z.B. ein defizitäres familiäres und schulisches Umfeld bieten dafür einen idealen Nährboden. 

Das hat oft zur Folge, dass zunehmend ein innerer Teil von ihnen stirbt oder bestenfalls verdrängt wird, und mit ihm das Gros ihrer Bedürfnisse, Visionen, Wünsche und Träume. Nicht nur für sie selbst ist das ein Nachteil sondern auch für ihr Umfeld, dem diese Potentiale z.B. durch innere Kündigung auch nicht (mehr) zur Verfügung stehen. Ich denke gerade an die negativen Folgen für den Arbeitsmarkt. 

 

Da alles im Leben ein wechselseitiger Lernprozess ist, der zum Ziel hat, die Gesellschaft in positiver Hinsicht zu verändern, kann die Chance auf eine Weiterentwicklung folglich für die Gesellschaft nicht effektiv genutzt werden. Das ist doch wirklich tragisch?!

 

Auch wenn wir als Betroffene den schleichenden Prozess aufgrund unserer Außenorientierung selbst vielleicht nicht mehr ohne Unterstützung von außen aktiv bemerken können; Unser Unterbewusstsein versucht es uns mitzuteilen, immer wieder, auf verschiedenartigste Weise, in letzter Konsequenz durch Krankheiten.

Toll, wie der Mensch funktioniert: Wir haben also immer - durch die Beteiligung unseres Unterbewusstseins - die Chance, aus unserem Anpassungswahn aufzuwachen und auszusteigen, oder weiter dahinzudämmern und zu glauben, die Erfüllung unseres Lebens sei es, unseren Alltag irgendwie hinzubekommen und uns im Arbeitsleben von Wochenende zu Wochenende zu retten.

 

Und manchmal bedarf es eben professioneller Unterstützung.

Wirklich dankbar kann man sein, wenn man wirklich gute therapeutische Unterstützung erfahren darf! Ich jedenfalls bin dafür sehr dankbar. Eben vor allem auch weil ich dadurch meine kreativen Blockaden lösen konnte!

Ich bin zwar ab und an noch etwas neurotisch und aufbrausend, aber was soll's :-).

 

Zumindest schäme ich mich nicht dafür, öffentlich zu schreiben, in Therapie gewesen zu sein, denn ich weiß, dass gerade diejenigen, die Therapie verhöhnen, meistens selbst Hilfe bräuchten, aber niemals solch eine Unterstützung in Anspruch nehmen würden, ganz einfach weil sie riesige Angst davor haben, sich zum einen mit ihren schwarzen Flecken zu konfrontieren, was zwangsläufig im Rahmen jeder guten Therapie passiert, und sie zum anderen Panik davor haben, gesellschaftlich geächtet zu werden, weil für sie nichts schlimmer ist als sich in ihrem makellosen Ansehen bedroht zu fühlen. Weil Therapie eben noch immer leider Gottes ein gesellschaftliches Tabuthema ist und als sozialer Makel betrachtet wird. Schlimm... und sehr tragisch, gerade weil es so viele Menschen gibt, die nicht erkennen wollen oder nicht erkennen können, dass sie dringend Unterstützung bräuchten.

 

 

Nun. Ich behaupte: Nur die wenigsten finden eine gute Lösung wie sie ein erfülltes Leben führen können - ich meine eine wirklich gute, keinen befriedigenden Kompromiss.

 

Das ist ja auch eigentlich eine ganz logische Konsequenz...

Wir orientieren uns nach außen hin anstatt nach innen und auf unsere eigenen Bedürfnissen zu schauen.

Wir stellen Vergleiche mit anderen an, orientieren uns an den Lebensmodellen der breiten Masse der Bevölkerung und konsumieren was das Zeug hält, um unser inneres Loch, das wir meistens noch nicht einmal registriert haben, mit materiellen Dingen zu stopfen.

Wir machen uns abhängig vom kommerziellen Medienwust und lassen uns manipulieren.

Indem wir passiv leben, Vergleiche mit anderen anstellen und anderen beim Leben zuschauen, versäumen wir aber unser eigenes wahres Leben.

Wir werden zu Kopien! 

Oft stehen wir vor einem Scherbenhaufen wenn wir wach geworden sind. Aber es muss nicht zu spät sein!

Aus dem Haufen kann man auch ganz wunderbare Dinge basteln :-).

 

 

Die Löcher im eigenen System stopfen.

Sorge gut für dich, lebe deine Stärken und bleib' dir selbst treu. 

 

Wie heisst es doch gleich: Wenn man die Welt verändern will, muss man erst bei sich selbst anfangen.

Richtig, und da hat man erst einmal genug zu tun.

Was bringt es schließlich, gesellschaftliche Misstände bewältigen zu wollen wenn man noch nicht einmal seine eigenen inneren Misstände registriert und aufgedröselt hat?

 

Es ist unverzichtbar, sich nicht nur mit seinen Schwächen sondern vor allem auch sich mit seinen Stärken zu beschäftigen, die ein jeder im Laufe seines Lebens an die Hand bekommen hat, und zu lernen, erst einmal die Löcher in sich selbst zu stopfen um ein individuelles Leben in eigener Regie führen zu können. 

Mit Ressourcenbewusstsein, Selbstfürsorge und Selbstliebe, Authentizität,

Offenheit und natürlich dem Willen etwas zu ändern und sich dabei treu zu bleiben. Mut bedarf es ebenfalls. Klar. Denn das alles ist kein so einfacher Prozess. Dafür muss man schon ein wenig couragiert sein.

 

Ich persönlich habe etliche gescheiterte Anpassungsversuche hinter mir.

Kein Wunder. Meine Eltern gehören zur Kriegsgeneration, die den 2. Weltkrieg als Kind hautnah mitbekommen hat, die Schrecken der Vertreibung aus Schlesien und Pommern erleben mussten und dabei oft an der Schwelle zum Tod standen.

Die Folge war ein Kriegstrauma, das bis heute in unserer Familie schwelt. Ich bin seit einiger Zeit dabei es aufzudröseln, meine Schwester zieht jetzt etwas nach, während meine Eltern tragischer Weise, wie die meisten Zugehörigen der Generation Kriegskinder auch, nicht in der Lage dazu sind, über dieses Thema zu sprechen, geschweige denn darüber, welche dramatischen Folgen das alles für unsere Familie hatte.

Das ist sehr tragisch, das alles.

 

Es ist klar, dass sich diese einprägsamen Erfahrungen auf meine Erziehung ausgewirkt haben, was mitunter dazu geführt hat, meinen kreativen Weg weiterzugehen.

Raymond Unger hat diesen Kriegaspekt in seinem Werk "Die Heldenreise des Künstlers" ganz toll beschrieben, wie ich finde.

 

Wenn man weiß, dass die eigenen Eltern unmittelbar vom zweiten Weltkrieg betroffen waren, dann ist es sehr hilfreich, sich mit dem Thema Nachkriegsgeneration zu beschäftigen. Mittlerweile existieren ein paar sehr gute Bücher zu diesem Thema. Sie helfen zu verstehen und die ein oder andere innerfamiliäre Situation zu verzeihen.  

 

Aber zurück zum Thema "gescheiterte Anpassungsversuche":

Nein, es war damals nicht einfach. 

Die Integration in die neue Klassengemeinschaft verlief nicht gut.

Die permanenten unterschwelligen Fragen: wer die teuersten Chevignon-Klamotten hatte, die schönste Frisur, die reichsten Eltern.

Kein einziger Lehrer steuerte dagegen. Ich habe zumindest keinen davon in Erinnerung. Keinen jedenfalls bis zur Oberstufe.

Wer nicht an den Coolsten der Klasse vorbeikam, hatte einfach gelitten.

Und damit war ich nicht allein. 

Kaum ein Lehrer schien sich Gedanken darüber zu machen, dass er solche Verhaltensweisen durch Viereckenrechnen, spontanes Vorholen an die Tafel und Sportgruppenwahlen zusätzlich anheizte. Für die, die in den betreffenden Bereichen gut oder generell sehr beliebt waren, war es lustig, keine Frage.

Wer allerdings in einem Bereich wie Mathe nicht gut war und das dann vor den Augen der ganzen Klasse ans Tageslicht kam, war unten durch.

Friss oder stirb. Das war und ist nicht meine Welt.

 

So und schlimmer läuft es in vielen heutigen Klassenzimmern staatlicher Schulen ab, und sogar schon früher, im Kindergarten.

Die Klassen wegen Sparmaßnahmen überlaufen, viele Lehrer und Pädagogen überfordert.

Etliche Eltern schicken daher ihre Kinder auf Privatschulen.

Kann das die Lösung sein?! 

 

 

Hm. Trotz dieser schulischen Misstände gelang es mir jedenfalls, mich dem Ganzen innerlich zu widersetzen.

Wenngleich mir schon später in der Mittelstufe sehr bewusst war, dass mir aufgrund meines ausschweifenden und komplexen Schreibstils Punkteabzüge sicher waren, und vermutlich kaum ein Lehrer meine Texte bis zum bitteren Ende las, blieb ich mir und meinem Stil treu, denn ich lieb(t)e (Schrift-und Bild-)Sprache und schriftliches Ausdrucksvermögen, und vor allem war meine Art zu schreiben ein fester Bestandteil von mir, die ich niemals aufgeben wollte.

Es wäre so gewesen wie wenn ich meine Seele hätte verkaufen müssen.   

Und so ist es mit der Malerei auch, im Prinzip mit allem was ich mit Freude und aus Überzeugung mache. Mittlerweile stehe ich 100%-ig zu mir, in allem was ich tue, auch wenn ich mich oft über mich wundere.

Deswegen stört es mich auch nicht wenn meine Sachen bei manch einem auf Widerstand oder Ablehnung stoßen. Ich mag ja auch nicht alles.

 

Die Schule fand ich im Großen und Ganzen aufgrund ihres Regelsystems und der Unreflektiertheit und/oder Handlungsunfähigkeit vieler Lehrer - zumindest bis zur Oberstufe - beschissen. Immerhin gelangte ich mit dieser Einstellung trotzdem zur Uni. Aber auf diese Art schafften es ja einige :-).

 

An der Uni ging es wesentlich freier zu, und ich erkannte die Möglichkeit, mich gezielter mit Sachen zu beschäftigen, die mich während der Schulzeit interessiert hatten. Das waren religions- und gesellschaftskritische Texte, die meinen Mitschülern und mir zuvor in Grundzügen in der Oberstufe durch einen sehr motivierten und kreativen Religionslehrer vermittelt wurden, der mich insbesondere mit seinem Interesse für den Buddhismus und religionskritische Themen begeisterte, und der uns mit wertvollen Texten von Dorothee Sölle, Ludwig Feuerbach, Erich Fromm und Heinz Zahrnt versorgte, und eine gesellschaftskritische Deutschlehrerin, mit der wir die Grundzüge des Marxismus erörterten, feministische Texte durcharbeiteten, und durch die ich mich intensiver mit den Werken von Thomas Mann auseinandersetzte.

 

Die Uni ermöglichte mir einen sehr spannenden Einblick in die Welt der Pädagogik, Soziologie, Theologie, pädagogischen Psychologie und der Tierrechtsethik. 

Danach kam das Versumpfen im pädagogischen Arbeitsalltag, und dann ein sehr wertvoller Reha-Aufenthalt mit sehr kompetenten und wertschätzenden Therapeuten, was die Entscheidung für meinen jetzigen Weg, mich im künstlerischen Bereich auszutoben, entscheidend prägte.

 

Somit bin ich die, welche ich heute bin, was sich dementsprechend in meinen Werken und in meinem Verständnis von Kunst im Allgemeinen widerspiegelt.

Darauf werde ich im nächsten Kapitel näher eingehen :-). 

 

 

Wieder zurück zum Metronom. Wird das Thema Kreativität überhaupt ernst genug genommen? 

 

Das Thema Kreativität ist hoch komplex und im Vergleich zum Intelligenzbegriff noch weniger in seiner Gesamtheit zu erfassen.

Das ist wahrscheinlich der Grund warum die Forschung noch nicht soviel zu diesem Thema hervorgebracht hat, was sich allerdings, zu meiner Freude, gerade ändert.

Es bleibt also zu hoffen, dass die Wissenschaft das Thema Kreativität zunehmend erforscht und der Fokus dabei nicht an marktwirtschaftlichen Interessen hängenbleibt wie so oft...

Geld regiert eben die (westliche) Welt, und das wird sich in nächster Zeit leider auch nicht ändern :-/. 

 

Wo wir beim Thema sind.

Die Marktwirtschaft hat eine größtenteils sehr einseitige Definition von Kreativität. 

In diesen Zusammenhängen gilt es gemeinhin als "chic" und "crazy", kreativ und damit auch etwas verrückt, schräg und gesellschaftlich nicht oder wenig kompatibel zu sein. 

 

Dass Kreativsein allerdings an gewisse persönliche Voraussetzungen gebunden ist, auf die ich später noch eingehen werde, daran scheint allerdings kaum einer zu denken.

Es ist schnell geschrieben: „Wir suchen engagierte, kreative Arbeitnehmer für unser Unternehmen“. 

 

Woran ausserdem nicht oder kaum gedacht wird, ist, dass sich der Arbeitgeber Kreativität auch schlichtweg erst einmal leisten können muss!

 

Kreativität gibt es eben nicht zum Nullpreis: Sie besitzt keinen Niedlichkeitsfaktor, wie ihn so viele offensichtlich gerne hätten.

Einfach traurig, diese teilweisen verzerrten Darstellungen im Internet. (Aber es gibt mittlerweile auch ein paar ganz tolle Berichte und Bücher. Bei Nachfrage stelle ich gern ein paar Links auf die Website. Ich war bislang zu faul, sie alle auf der Website einzufügen.)

 

Kreative Personen sind nicht nur notwendige Innovatoren und für ein gutes Unternehmen unverzichtbar, sie sind nicht immer, aber oftmals, weil sie eben auch meist hochsensibel sind, Querdenker, Individualisten, die geistige Freiheit brauchen um richtig aufblühen und kreativ sein zu können, und meist Aspekte des kapitalistischen Systems oder das umfassende System selbst infrage stellen und infolgedessen, weil sie eben meist anders funktionieren als der angepasste Durchschnittsangestellte, überdurchschnittlich oft von Kollegen und Arbeitgebern belächelt und gemobbt werden, woran sie leider nicht selten durch passives Dulden, stilles Aushalten oder Flucht aus der Situation ihren Anteil dazu beitragen und dadurch ihre Abwärtsspirale, in diesem Systemzusammenhang zumindest, beschleunigen. 

 

Es soll sogar kreative Menschen geben, die in ihrem Job als nicht ausreichend teamfähig gelten weil sie nicht jedes Team akzeptieren und auch wenig oder gar nicht bereit dazu sind, sich in ihren Überzeugungen zugunsten eines kapitalistischen Zweckes, zurückzunehmen :-o :-).

Aber es heißt dann natürlich von Arbeitgeberseite: "Er/sie kann nicht (seine vorgegeben Aufgaben adäquat erfüllen)" statt "er/sie will (...) nicht", was wohl oftmals eher Fakt ist.

Und zwischen "nicht können" und aus ethisch-moralischen Gründen heraus "nicht zu wollen" besteht ja nun doch ein sehr bedeutsamer Unterschied!

Aber gut. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Es gibt mit Sicherheit auch ein paar gaaanz unkomplizierte kreative Menschen :-). Vielleicht bist Du ja ein solcher? Oder eher nicht?

 

Von den genannten gesellschaftlich eher unbequemen Aspekten von Kreativität im Arbeitsleben spricht selten jemand. 

 

Bisweilen gibt es einige sehr wichtige Bücher und Artikel über die von mir angeschnittenen Aspekte und auch darüber, was Arbeitgeber für eine innovative Betriebskultur tun können, ohne dass kreative Mitarbeiter ausgegrenzt werden oder sich selbst ausgrenzen, aussteigen, zu einem Arbeitgeber mit besseren Konditionen wechseln oder in die Selbständigkeit gehen.

 

Eine Betriebskultur, die auf Kooperation, Risikobereitschaft und Wertschätzung für Diversität baut, kann aus jedem Mitarbeiter ein vieles an kreativem Potenzial hervorholen.  

Darum muss man aber als Arbeitgeber, Kollege und als Betreffender selbst erst einmal wissen, dies kommunizieren und dann noch ernsthaft bereit dafür sein, nicht nur die Lorbeeren sondern auch die Risiken von Kreativität in Kauf zu nehmen und gewillt sein, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

 

 

Tschüß, Ihr starren Systeme !

 

Wenn ich manche Grundschüler erlebe, wie sie mit ihren I-Pods wie kleine Zombies durch die Strassen schlurfen, und Eltern mitbekomme, die ihre Erziehungsverantwortung an die Betreuungseinrichtungen abgeben, wird mir Angst und Bange, und ich frage mich, was auf die nächsten Generationen noch alles zukommen wird.

 

Eines steht fest: Es muss noch viel getan werden, vor allem in unserem staatlichen Erziehungs- und Bildungssystem, allein schon weil sich unsere Gesellschaft diese starre Praktizierung langfristig überhaupt nicht mehr leisten kann. 

Und, weil es nicht sein darf, dass Ärzte, Therapeuten, Erzieher, Pädagogen, Sozialarbeiter und Lehrer, überhaupt alle Fachkräfte vor allem aus dem sozialen und gesundheitsbezogenen Berufssektor, die keine bzw. nur rudimentäre marktwirtschaftliche Vorzüge genießen, diese Fehler im System kompensieren sollen, quasi zum Nulltarif (trotz Verbesserungen im Zuge der letzten Streiks)!

Das ist schlichtweg unmöglich und ethisch-moralisch gesehen zum Kotzen. 

 

Solange allerdings Angestellte selbst nicht über den Tellerrand schauen wollen oder können und den eigentlichen Systemfehler an anderen Dingen und Personen festmachen, kann natürlich auch dahingehend keine effektive Veränderung stattfinden!

 

Solange es von Arbeitgeberseite heißt:

"Wir freuen uns sehr darüber, dass Sie als hochqualifizierte Fachkraft bei uns anfangen wollen. Allerdings können Sie nicht mehr Stundenlohn von uns bekommen, dafür aber zwei Stunden wöchentlich länger arbeiten", oder an anderer Stelle beim Einstellungsgespräch: "Sind Sie über Ihre berufliche Tätigkeit hinaus bereit, sich ehrenamtlich (am Wochenende) für unseren Träger (und für den lieben Gott) zu engagieren?".. weiterhin (nach einem Gottesdienstbesuch)... "Sehen Sie zu, dass wir (klar, aus Profitgründen, die Kirche ist da ja auch nicht zimperlich) schleunigst (durch Zauberhand oder andere Hilfsmittelchen?) mehr katholische oder evangelische Kinder in die Einrichtung bekommen", muss man sich im Klaren darüber sein, dass, indem man als Arbeitnehmer auf diese Bedingungen eingeht, auch zwangsläufig dieses kranke System mit trägt und aufrecht erhält!

 

Wie viele Angestellte beugen sich den Wünschen ihres Arbeitgebers, aus Angst, ohne Job, ohne Geld dazustehen. Heute würde ich sagen: "So what?! Suchen Sie sich einen anderen Idioten."