Malprozeß

Eines Tages habe ich mir die Frage gestellt wie sich denn dieser Malprozess bei mir überhaupt gestaltet. Dabei habe ich festgestellt, dass er sich bei mir auf drei Ebenen vollzieht.

 

Die beiden ersten umfassen den Prozess in seiner Bedeutung als  Ergebnis und zugleich Verlauf eines inneren intuitiven, unbewusst oder zumindest vorbewusst gesteuerten kreativen Prozesses, so verstehe ich ihn. 

Er steht immer untrennbar mit der Sinnsuche und inneren Freiheitsbestrebungen in Zusammenhang.

Das Ergebnis ist letztlich die Projektion meiner eigenen inneren Anteile. 

 

Da ich als Kunstschaffende selbst weiß, dass einige Künstler mit ihren Werken etwas sehr Persönliches zum Ausdruck bringen, das sie mit dem Betrachter zu teilen bereit sind, habe ich großen Respekt vor ihren Werken, ungeachtet dessen ob diese mir gefallen oder nicht !

 

Die dritte Ebene stellt die Deutungsebene dar, bei der die Beziehungsebene von mir und dem Betrachter zum Tragen kommt. 

Mein Ziel ist es, den Betrachter auf emotionaler und intellektueller Ebene, im Prinzip ganzheitlich, zu berühren und zu fordern. 

Der Dialog ist idealerweise von einer konstruktiven Kommunikationsweise und gegenseitigen Wertschätzung geprägt, deren Wertigkeit in keiner Abhängigkeit zu einer etwaigen Dienstleistungsorientierung steht. 

 

Überhebliche und unverschämte Betrachter allerdings, die Künstler als Dienstleister, im Sinne von Bittstellern, wahrnehmen und sich selbst als Kunden = "Könige", die geradezu erwarten, von mir umworben zu werden, damit sie sich (ist jetzt etwas überspitzt formuliert, trifft es aber) dazu herablassen, eines meiner Werke zu erwerben,...

Betrachter, die mich z.B. im Rahmen meiner eigenen Ausstellung darüber aufklären wollen, was ich denn, trotz meiner näheren Erläuterungen, denn da tatsächlich gemalt hätte (ohne wenn und aber),... oder Leute, die sich jeden Pinselstrich erklären lassen wollen, und es sie nicht im geringsten interessiert, wenn ich ihnen sage, dass ich intuitiv male und darum die Reihenfolge einfach nicht erklären kann, ....

Diese Leute - insofern ich bei ihnen auf den ersten Blick keine gravierenden Sinnesbeeinträchtigungen ausmachen kann, lasse ich dann mittlerweile an Ort und Stelle stehen.

 

Dann nämlich ist mein Bedarf an wertschätzender Kommunikation, mit diesen Personen jedenfalls, gedeckt.