konkreter Malverlauf

Der Malverlauf ist für mich ein höchst spannender Vorgang mit unbekanntem Ausgang, in dessen Verlauf sich mir peu à peu erschließt, welches Motiv bzw. welche Motive und Symbole sich aus meinem Unter- und Vorbewusstsein auf meine Malutensilien übertragen, und welche Bedeutung ihnen auch durch die jeweilige Farbgebung zukommt, was immer intuitiv und im Malprozess selbst geschieht. 

 

Nach Vorlage zu malen macht für mich keinen Sinn, genauso wenig wie Vorzeichnungen zum Zwecke des Ausmalens. Ein mentales Konzept vor dem eigentlichen Malprozess ist auch überhaupt nicht mein Ding.

Solche auf Vorbereitung, Kalkulation und Struktur orientierten Methoden machen mir ganz einfach keinen Spaß, und es lässt deshalb meine Kreativität auf ein Minimum herunterfahren. Also.. lasse ich das eben. 

 

In dem Moment, in dem ich wahrnehme, dass sich mein innerer Kritiker bzw. meine Gedanken und Bewertungen einschalten, versuche ich sie zu ignorieren, um den intuitiven Prozess nicht zu gefährden, weil sich Denken und Fühlen ja bekannterweise ausschließen.

In solchen Momenten fühle ich mich zunächst wie gelähmt und völlig kontrolliert. 

Es ist ein oftmals harter und emotional sehr aufwühlender und auch frustrierender Balanceakt zwischen dem eigenen Anspruch an Ästhetik im umgangssprachlichen, "schönen" Sinne, und dem Bedürfnis nach ungeschönter, echter, "roher", authentischer Expression, wobei mir der emotionale Ausdruck beim Malen definitiv immer wichtiger ist, beim Fotografieren überwiegt hingegen oft mein Anspruch an Ästhetik, was sich auch darin zeigt, dass ich meine Fotografien generell bearbeite (mir macht das großen Spaß), meine Malereien jedoch bewusst nie.

 

Malen beginnt bei mir abends oder nachts, spontan, sehr konzentriert, und endet auch oft ebenso wieder ein paar Stunden später abrupt, in der Atmosphäre einer inneren Gelöstheit. Manchmal stellt sich bereits vor der ersten Betrachtung des fertigen Bildes direkt ein erkenntnisreiches Aha-Erlebnis ein, ab und an auch erst während der Betrachtung, und manchmal ein paar Tage oder sogar Wochen später.

 

Ich vermeide es, Nachbesserungen anzustellen, weil es die Anfangsaussage verfälschen würde.

Wie bereits erwähnt: Mir geht es beim Malen hauptsächlich um den emotionalen Ausdruck. Ob das Handwerk akribisch genau und schön ist, ist für mich daher etwas weniger wichtig obwohl ich eigentlich Perfektionist bin. 

 

Meiner Meinung nach verbauen und verfälschen künstlich herbeigeführte Höhenflüge durch künstliche Stimulanzien den Zugang zu den eigenen, mitunter sehr dunkel gefärbten Emotionen, die man effektiv für kreative Prozesse nutzen kann. Deswegen verzichte ich dabei auf sie, von musikalischer Begleitung beim Malen einmal abgesehen.