Mein Kunstverständnis

Kunst als Bildungsauftrag. Vermittlung ethischer Werte.

WIRTSCHAFT BESTIMMT WAS HEUTE ALS "SYSTEM-RELEVANT" GILT 

Vergangenes Jahr, im Zuge der Corona-Pandemie, konnte man erleben, wie Wirtschaft und Politik die arbeitende Bevölkerung in "system-relevante" und "system-irrelevante" Berufssparten einteilte. 

Positiv daran war: Gewürdigt wurde (endlich !), nur noch nicht annähernd finanziell, die Arbeit im sozialen Bereich und Berufe, die sich stark aus der Arbeiterschaft speisen, wie Lebensmittelverkäufer, Verpacker usw.

Doch die Frage ist, ob es sich nicht dabei nicht eher um eine kurzweilige Laune von "oben" handelt... solange nämlich bis Corona wieder "vorbei" ist... 

 

Um es einmal klar zu benennen:

Mir gefällt solch eine vorgenommene Spaltung in "gesellschaftlich wichtig/ unwichtig" überhaupt nicht.

Denn eine bunte Arbeitsvielfalt ist sehr wertvoll, und gerade eine demokratische Gesellschaft, so sollte man meinen, schöpft doch gerade aus der Buntheit ihrer Mitglieder! 

 

Und dennoch ist es nicht verkehrt, sich einmal damit zu beschäftigen, wie es sein kann, daß sich die Wirtschaft bisher über einen so großen Zeitraum für besonders system-relevant gehalten hat und sich, mit Hilfe der Politik, das Recht herausnehmen konnte, bisherige Lebens-Werte und damit auch "Un"-Werte vorzugeben und Gehälter zu kassieren, von denen eine Altenpflegerin in Vollzeitbeschäftigung nur träumen kann?

 

Bis heute genießt die Wirtschaft weitestgehend (globale) Monopolstellung in der Gesellschaft und durchtränkt alle Strukturen, mitunter Staat und Politik, und das ist das Fatale, und macht auch vor dem Privaten nicht halt. Und leider tut sie es, indem sie alle lebenswichtigen Aktivitäten unter dem Aspekt "Wirtschafts- und Profitrelevanz" bewertet. 

 

Gerade weil sich die Wirtschaft ihrer Sonderstellung immer allzu sicher war, ist es schön, im Rahmen der Corona-Pandemie zu erleben, wie dieses überhebliche Selbstverständnis zumindest etwas in Richtung eines einigermaßen erträglichen Normalniveaus gesunken ist (und bitte weiterhin sinken wird).

Und, daß es andere Berufsgruppen gibt, die mindestens gleich wichtig sind. 

Nun endlich sollte allerdings auch eine Angleichung an die Gehälter der (freien) Wirtschaft und staatlicher Gehälter erfolgen.

 

Die Corona-Pandemie zeigt, daß Künstler von unserem Staat als gesellschaftlich nicht sonderlich bedeutsam betrachtet werden, was eine sehr bedauerliche Entscheidung ist. Denn gerade diese Gruppe weist eine hohe Heterogenität auf, sowohl in Bezug auf ihre Einkommensquellen als auch auf ihre soziale Anerkennung und - damit eng verstrickt - ihr eigenes Selbstverständnis als Künstler und ihre Käuflichkeit  bzw. ihre Bereitschaft, dem schnöden Mammon zu dienen. 

 

Und diese innere Haltung jedes einzelnen Künstlers steht und fällt letztlich ganz deutlich mit der individuellen Höhe seiner wirtschaftlichen Verwertbarkeit


WIRTSCHAFTSRELEVANTE KUNST

Die gesellschaftliche Vormachtrolle der Wirtschaft hat natürlich auch Einfluß auf die Bewertung von Kunst und auf die soziale Situation eines Künstlers:

Wenn man heutzutage auf einen gut verdienenden, bekannten und beliebten Künstler stößt, weiß man eines mit Sicherheit: Diese Kunst ist wirtschaftlich gut verwertbar. Was nicht anderes meint als daß dieser Künstler käuflich ist und sich nach dem Geschmack des zahlenden Publikums richtet.

 

Etliche Künstler lassen sich von der Wirtschaft auf- und aussaugen und profitieren sehr gut von ihrer Unterstützung.

Dadurch müssen sie zwar nicht mit finanziellen Sorgen kämpfen, doch haben sie den Nachteil quasi mit eingekauft, sich von wirtschaftlichen Vorgaben abhängig zu machen und käuflich geworden zu sein.

Hier besteht die große Gefahr, daß ihre Kunst inhaltlich zur bloßen Deko verkommt.

 

Die willkürlichen Unsummen auf Kunst-Auktionen veranschaulichen dies.

Kein Wunder also, daß käufliche, darunter auch weltbekannte, Künstler, argumentieren, daß Kunst keine bestimmte Intension oder Funktion haben dürfe, sprich, ein Künstler per se gar nicht die Aufgabe habe, seine sozialen (konsum-kapitalistischen) Rahmenbedingungen zu kritisieren.

Warum auch? Damit würden diese sich ja ins eigene Knie schießen !   

 

Im Prinzip könnte man meinen: Jeder Künstler so wie er /sie will. Recht auf persönliche Freiheit !

Aber hier geht es eben nicht nur um persönliche, individuelle Befindlichkeiten sondern es geht um Verantwortung für den immateriellen gesellschaftlichen Wert von Kunst und um das was einen weitestgehend autonomen Künstler ausmacht ! 

 

Das wirklich Verwerfliche ist: Diese wirtschaftlich gut verwertbaren Künstler verfälschen mit ihrer Haltung das gesellschaftliche Bild unzähliger anderer Künstler, denen es wichtig ist, weitestgehend unabhängig von der Macht- und Deutungshoheit von Wirtschaft und Staat zu bleiben. Und vor allem:

 

Sie versauen den immateriellen Stellenwert von Kunst und tragen dazu bei, daß Kunst in Krisenzeiten (Corona-Pandemie) per se als nicht system-relevant eingestuft wird. 

Dabei gibt es so einiges an guter Kunst, die gesellschaftlich gesehen wichtig, jedoch von wirtschaftsrelevanter Kunst in den Hintergrund gedrückt wird.

 

Diese ist meiner Meinung nach allerdings nur selten unter den wirtschaftlich gut verwertbaren (Deko-)Werken zu finden, welche lediglich den Massengeschmack der Kunstliebhaber bedienen.


Wenngleich ich das Unterscheidungsmerkmal "Systemrelevanz" sehr kritisch sehe, weil sie Ausgrenzung innerhalb der Gesellschaft fördert, so greife ich sie trotzdem gerne auf, und zwar im Zusammenhang mit Kunst. Um darzulegen, wie komplex und kritisch solch eine Bewertung tatsächlich zu sehen ist... 

Wenn man dieser Einteilung der Berufsgruppen in "systemrelevant und "systemirrelevant" folgen möchte, dann kommt man zwangsläufig nicht umhin, festzustellen, daß ein großer Teil heutiger Kunst wirtschaftsrelevant, gesellschafts-konform /-adäquat /-kompatibel ist, aber leider nicht system-/gesellschafts-relevant.

Jedenfalls nicht bedeutsam für eine Gesellschaft, die an demokratischen und nachhaltigen Prinzipien ausgerichtet ist und nicht primär an Kommerz und Profit. mehr dazu... 

Dafür müsste sie von Natur aus eine kritische, auf Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit ausgerichtete Haltung einnehmen, die sich an ethischen Werten orientiert. Das aber gerade tut sie (oftmals) nicht.

Daher kann diese Art wirtschafts-relevanter Kunst tatsächlich dem Bereich der Deko-Kunst zugeordnet werden.

 

Diesen Anspruch, ethisch zu sein, sprich, möglichst anständig durchs Leben zu gehen, den sollte übrigens heute angesichts von Klimakrise & Co. nicht nur ein Künstler mitbringen sondern jeder, und vor allem derjenige, der einen Bildungs- und Erziehungs-Auftrag erfüllen will ! 


SELBSTKONFRONTATIVE KUNST ALS ERZEUGNIS KRANKER KÜNSTLER ? 

Mein Selbstfindungsprozeß ist mit meinem künstlerischen, selbstkonfrontativen Prozeß identisch bzw. läuft mit ihm synchron.

Aber was genau bedeutet das? Und was macht eine kreative Gestaltung zu Kunst? 

 

Klar, das Verständnis von Kunst ist eine sehr persönliche Auffassung, die von der Komplexität der inneren und äußeren Faktoren jedes einzelnen Individuums abhängt.

 

Kunst, wie ich sie schätze, und wie ich sie selbst lebe und liebe, ist vor allem in ethisch- moralischer Hinsicht glaubwürdig! So authentisch sprich glaubwürdig wie möglich, nicht manipulativ wie Werbung (sogar authentische Werbung ist manipulativ), kritisch, emotional und geistig fordernd, sprich komplex, in erster Linie selbstkonfrontativ und gegenüber allen Emotionen offen.

Sie steht im Austausch mit der jeweiligen Umwelt, der idealerweise auf einer wertschätzenden, respektvollen menschlichen und nicht-profitorientierten Ebene eines inspirierenden Dialogs stattfindet. 

 

Der Fokus des Künstlers liegt auf dem künstlerischen Prozeß und nicht auf einem zu veräußernden Endprodukt. 

Der Prozeß wiederum gestaltet sich als eine permanente, lebenslange Sinnsuche und Selbstfindung, der zugleich Weg und Ziel ist.

 

Meine Kunst fragt nicht nach den Vorlieben des Betrachters und untersteht keinem Zwang, gefallen zu müssen.

 

Ich male nicht nur für mich selbst, um meinen kreativen Bedürfnissen genüge zu tun und auch nicht um zu gefallen. (Auch wenn ich mich natürlich über positive Rückmeldungen freue.)

Ich male hauptsächlich, um Menschen etwas mitzuteilen, im Sinne eines Dialogs, eines idealerweise wechselseitigen, wertschätzenden Austauschs.

 

Meine Leidenschaft fürs Malen und Gestalten, der Drang sowohl nach möglichst objektiver Wahrheit als auch nach Sinnhaftigkeit sind dabei meine größten Antriebsfedern.

Ich bin was ich male. Ich kann gar nicht anders. 

Es gibt für mich dementsprechend keine Trennung zwischen mir als Subjekt und meinem Werk als Objekt. 

  

Kunst ist für mich viel mehr als bloßer Selbstzweck

Sie ist ganzheitlich ausgerichtet, entsprechend der Komplexität des menschlichen Wesens, und macht die Welt, ihre Bestandteile und die Beziehungen unter ihnen klar erkennbar, im gleichen Maße wie sie es versteht, den übergeordneten Zusammenhang des großen Ganzen aufzuzeigen.

Das impliziert, daß sie nicht nur das Schöne und Angenehme zeigen sondern vor allem kritisch ist und aufklären will. (Ich weiß, der heutige Kunstmarkt sieht das anders, nämlich absolut gegensätzlich.)

 

Dabei zeigt sie sich offen für alle Eindrücke, die die Welt vermittelt.

SensibilitätLeidenschaftPhantasieMutIntuitionEinfühlungs- und Reflektionsvermögen sind dabei wichtige, personenbezogene Voraussetzungen eines system- *ähem* gesellschafts-relevanten Künstlers, um das "Teilbewusste" oder Vorbewusste dem Gefühl begreifbar zu machen und Kunst in ganzheitlichen Zusammenhängen herstellen zu können. 

 

Es gehört auch eine gewisse Portion Masochismus dazu.

Denn ich weiß, daß ich, indem ich bewusst tief in meinen Wunden bohre, jedes Mal auf sehr Interessantes und für mich Wertvolles stoße, was ich bei dessen Verarbeitung auf intuitive Weise kreativ umsetzen kann.    

Meine Kunst thematisiert entsprechend innere und äußere Konflikte, die sie nach außen hin kommuniziert.

 

Und in diesem Zusammenhang muß ich dringend auf eine wichtige Tatsache hinweisen:

 

Eine bewusste, konstruktive selbstkonfrontative Auseinandersetzung mit sich selbst sollte im Prinzip Inhalt jedes einzelnen Menschenlebens sein, weil genau DAS gesund ist !

Ich komme darauf, weil selbstkonfrontative Kunst LEIDER ! oft von Außen mit einer seelischen Erkrankung in Zusammenhang gebracht wird. 

Das kommt daher, daß heute im Turbo-Kapitalismus alles nach dem schönen Schein und nach Maßstäben von Geld, Einfluß und Ratio bewertet wird. Eine selbstkonfrontative Weise, Kunst zu machen, wird heute daher definitiv - mehr noch als früher - als ungesund und sogar therapie-relevant eingestuft.
Und dadurch wird der selbstkonfrontative Künstler automatisch in die Ecke psychischer Erkrankung gerückt, und, falls tatsächlich eine seelische Erkrankung irgendwo zu finden ist, diese als willkommene Schublade benutzt, quasi als self fulfilling prophecy. 

(Bsp. Umgang seitens diverser Jobcenter mit medizinischen Reha-Berichten.) 

Womit etliche Künstler leider sogar noch kokettieren (siehe uralte Genie und Wahnsinn- Debatte), also diese gesellschaftlich vorherrschende Sichtweise fatalerweise auch noch unterstützen.

Deshalb kann gerade selbstbezogene Kunst und ihr Erzeuger (vor allem der weibliche, sozial und finanziell benachteiligte Künstler) heutzutage als wirklich mutig gesehen werden, weil die Widerstände gegen ihn, und noch mehr gegen SIE, den weiblichen Künstler, enorm sind ! 

 

Mutig ist ein selbstkonfrontativer Künstler ja schon allein deshalb, weil ihm bewußt ist, daß er im Malprozeß den sich ergebenden, neuen Inspirationen gegenüber offen bleiben sollte, um sich und auch dem Betrachter gegenüber möglichst wahrhaftig / authentisch sein zu können.

Er muß es ertragen können, daß sich dadurch Änderungen seines soeben angefangenen Werkes ergeben. Das ist bei der analogen Kunst noch einmal anders zu sehen als bei der digitalen! Im Rahmen der digitalen Kunst besteht immerhin die Möglichkeit, die Return- Taste zu drücken. 

 

Das bedeutet auch, daß der selbstkonfrontative Künstler in der Lage sein muß, die teilweise krassen emotionalen Umstürze und Umbrüche, die während des kreativen Prozesses geschehen, aus eigener Kraft auszuhalten, sonst geht er daran kaputt.

Er muß bereit sein, allein sein zu wollen, und er muß auch dazu in der Lage sein es zu können, wenn nötig mehrere Wochen lang, ohne nennenswerte Außenkontakte, um sich auf sich und sein Gefühlsleben zu konzentrieren, Eindrücke zu sammeln, zu verarbeiten und letztlich künstlerisch ausdrücken zu können.

 

Es handelt sich dabei um kürzere oder längere Phasen einer innerer Selbstbezogenheit, die von vielen Außenstehenden nicht verstanden und deswegen in die Richtung Krankheit gerückt wird (Autismus, Narzißmus usw.).

Doch sollte es schon allein von der "Sache an sich" her nachzuvollziehen sein, daß kreative Prozesse, vor allem bei den stärker introvertierten Künstlern, eben viel Zeit, Ruhe und Versenkung benötigen ! 

Nebenbei bemerkt: Meiner Meinung nach verbauen dabei künstlich herbeigeführte Höhenflüge durch künstliche Stimulanzien den Zugang zu den eigenen, mitunter sehr dunkel gefärbten Emotionen, die man auf effektive Weise kreativ nutzen sollte... weswegen ich auf sie - und mittlerweile auch auf musikalische Begleitung - seit jeher komplett verzichte. 

 

Tja. Was bedeutet eigentlich "gesund" ?

Und wer definiert was "krank" und "gesund" ist ? 

 

Wenn ausgerechnet Definitionshoheit darüber was gesellschaftlich gesehen "gesund" und was "krank" ist, diejenigen Menschen haben, die ihr bisheriges Leben als angepasste, überschauliche Spießbürger in ihrem vergoldeten Hamsterrad zugebracht haben, weitestgehend unfähig zur kritischen (Selbst-)Reflexion, gewohnt, ihre Unzufriedenheiten mit Konsumgütern, Alltagsdrogen, Statussymbolen und Leistung zu kompensieren (und frustriert in manch einer Behörde hocken), komme ich zur Feststellung, daß diese oftmals von sich selbst entfremdet und seelisch nicht auf der Höhe sind. Und daß zwangsläufig davon auszugehen ist, daß ihre Definition von "gesund" und "krank" konsequenterweise eine völlig verzerrte ist.

 

Ist ein Künstler, der selbstkonfrontative Phasen des sozialen Rückzugs für seine Kunst braucht, automatisch psychisch krank? Also ein klares NEIN !

 

Ich füge ein bekanntes Zitat von Jiddu Krishnamurti ein, das für sich selbst spricht und daher keiner Erläuterung bedarf...

"Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein." Ähnliches sagte Erich Fromm. Und genauso sieht es aus.


PROFESSIONELLE KUNST SCHLIESST AUTODIDAKTEN GLEICHWERTIG MIT EIN 

Die Herstellung eines kreativen Kunstwerkes entspringt dem existenziellen Bedürfnis des Künstlers, die Welt in allen Details verstehen zu wollen und die Eindrücke der Welt in einen bildnerischen Ausdruck zu transformieren. 

Dabei ist es in erster Linie die Künstlerseele und ihre individuelle Beschaffenheit, die den Künstler ausmacht.

 

Aus meiner Sicht sollte es daher keinen Unterschied in der Wertigkeit geben, ob der Künstler Autodidakt ist oder ehemals an einer Kunstakademie studiert hat. 

Autodidakten werden aber leider heutzutage im gesellschaftlichen Kunstbereich noch immer auffallend oft in die Ecke Hobby-Kunst abgeschoben!

Dabei ist die Herangehensweise von öffentlich Kunst-Studierten und Autodidakten an Kunst komplett unterschiedlich, das sollte letztlich aber keine Abwertung von Autodidakten zur Folge haben, sondern im Gegenteil, eine Aufwertung, weil ihre künstlerische Weise eine absolute Bereicherung der Lebensbereiche von Kunst und Kultur darstellt !

 

Ein Autodidakt, der sich mit ganzer Seele seiner Kunst verschrieben hat ( = Kunst als Haupttätigkeit und Haupterwerb), kann sich in gleichem Maße handwerkliche Fertigkeiten und fundiertes Fachwissen aufbauen wie ein öffentlich Kunst-Studierter auch. (Wenn er das große Glück hat, von seinem persönlichen Umfeld zumindest emotional und finanziell unterstützt zu werden, gerade wenn er selbst über keine ausreichenden Mittel verfügt. Doch dieses Glück hat eben nicht jeder ! Und auch nicht jeder will Vitamin B in Anspruch nehmen weil er seinen Weg aus eigener Kraft bewältigen will !)

 

Im Gegenteil erfordert sein Vorgehen sogar noch mehr Eigeninitiviative und Durchhaltevermögen! Vor allem wenn er finanziell gebeutelt ist. (Ein Autodidakt aber, der wohlhabend ist, hat natürlich Kompensationsmöglichkeiten. Klar.)

 

Und daß die meisten Kunst-Hochschulabsolventen mit Kontakten in der Kunstszene, die sie im Rahmen ihres Studiums an die Hand bekommen haben, auf dem heutigen kommerziellen Kunstmarkt die besseren Karten haben, ist wiederum eine andere, in sozialer Hinsicht äußerst ungerechte Geschichte. 

Aber diesen gegenwärtigen Kunstmarkt und seine strukturell sehr unfairen Spiel-Regeln kann man so oder so völlig in der Pfeife rauchen.


DEKO-KUNST: SCHÖNER SCHEIN STATT SEIN

Gesellschaftsrelevante Kunst macht gesellschaftliche Probleme transparent und nimmt, indem sie soziale und moral-ethisch relevante Themen aufgreift, insgesamt auf positive Hinsicht Einfluß auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse.

 

Malerei zum Zwecke bloßer Dekoration ist demnach für mich keine gesellschaftsrelevante Kunst sondern dekorative Gestaltung, die durchaus sehr kreativ und ästhetisch sein kann.  

 

Das Bestreben, Fotografien möglichst exakt und realistisch abmalen zu wollen - eine häufige Technik - verbinde ich ebenfalls nicht mit gesellschaftsrelevanter Kunst, weil Kunst für mich, wie bereits benannt, kreativ und innovativ sein muss, und auch ein sehr guter Handwerker noch lange keinen guten Künstler ausmacht (und umgekehrt genauso wenig, klar). 

Und ich wage zu behaupten, daß jeder halbwegs gesunde Mensch, ob talentiert oder nicht, in der Lage ist, Bilder oder Fotografien manuell optimal kopieren zu können, je nachdem wie lange und intensiv er bestimmte Techniken eingeübt hat.  

 

Gesellschaftsrelevante Kunst ist außerdem von Natur aus, vor allem in ethisch- moralischer Hinsicht, glaubwürdig !

Ich kann gar nicht sagen wie traurig und beschämend ich es finde, wenn Künstler ihre Werke ausstellen (wie vor drei Jahren in einer Kunsthalle in meiner Gegend, zum gesellschaftskritischen Thema "Biotope, Nachhaltigkeit, Ökologie, etc.") und sie ihr Konzept bereits im Vorfeld ad absurdum führen :

 

Die Konsumgesellschaft und den Kapitalismus als treibende Kraft des gesellschaftlichen Problems von Nachhaltigkeit deutete diese europäische Künstlergruppe in der Vorankündigung zwar zumindest an, tja, aber dann gab es da ja noch die "klitzekleine" Tatsache, dass die städtische Bank zum Hauptsponsor der Ausstellung ausgewählt wurde !

 

Wie kraß ist das denn ?!

 

Wie passt das alles zusammen?!? In unserer profitgeilen Gesellschaft zumindest offensichtlich "super"! Selbst gesellschaftskritische Kunst wird auf diese Weise von den Regeln der Ökonomie aufgesogen, untergeordnet und dem Markt zugänglich gemacht. 

Aus genau diesem Grund verzichte ich auf Förderungen.

Außerdem scheinen die meisten Kuratoren und Besucher auf solche Dinge wie Glaubwürdigkeit nicht zu achten, weil das offenbar out ist vor lauter Kunstbusiness.

 

"Money sells" beherrscht ja mittlerweile alle gesellschaftlichen Bereiche, auch unser Privatleben. Leider, aber muß sich Kunst deswegen auch prostituieren lassen, nur, weil der Kunstmarkt auf schönem Schein, Profit, Konsum, Kommerz, Macht und Einfluß beruht?? 

Verdammt. Mich macht das Ganze gerade wieder unsagbar wütend, vor allem die Tatsache, daß der eigentliche Sinn von Kunst auf diese Art und Weise dermaßen mit Füßen getreten wird, sogar von Künstlern selbst, das widert mich total an !

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FAZIT

Längst nicht jede Kunst kann in unserer globalen, kapitalistischen Gesellschaft als gesellschafts-relevant bezeichnet werden, höchstens als wirtschafts-relevant.

Die kommerziellen Ketten unserer profitorientierten Konsum-Gesellschaft verhindern jedenfalls in starkem Maße, gesellschafts-relevante Kunst hervorzubringen und am Leben zu erhalten.

  

Aufgrund ihrer gesamtgesellschaftlichen und kulturellen Bedeutung als ethisch-ideelles und politisches Korrektiv ist es aber gerade im Kunstbereich wichtig, daß Kunst nicht zur Dienstleistung degradiert und kommerziell ausgebeutet wird, was leider jedoch sogar von der Mehrheit der Künstler mitgetragen wird.

 

Das Tragische ist vor allem: Indem der Fokus auf kommerziell verwertbarer Kunst liegt und immer mehr entfremdete (= gesellschaftlich angepasste) Kunst produziert wird, wird nicht nur die Bedeutung gesellschafts-relevanter Kunst schlichtweg verkannt, sondern auf diese Weise schwindet sogar der ursprüngliche, immaterielle, ideelle kulturelle Wert von Kunst.

Und letztlich ist das ein deutliches Anzeichen eines kulturellen Verfalls !

Das war übrigens Thema meiner Ausstellung 2019.

mehr dazu... 

Wie auch immer: Kunst... für immer und ewig ein spezielles, nicht immer lustiges Kapitel.

Und extrem spannend !